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11. Juni 2026

Vorsicht vor KARL

aus der neuen ZivilCourage Nr. 2 | 2026
Warum wir vor Roadshows der Bundeswehr und der
Eventisierung des Tötens warnen
Was zunächst harmlos klingt, ist Teil einer strategischen
Offensive: Mit „KA.R.L.“ bringt die Bundeswehr ihre Karri-
ereberatung direkt in die Innenstädte. Hinter der Abkür-
zung verbirgt sich „Karriereberatung, Roadshow und
Lounge“: ein Format, das bewusst neue Zielgruppen errei-
chen soll, insbesondere junge Menschen.
Die Idee ist klar: Militär soll nicht mehr fern, sondern all-
täglich wirken. Nicht mehr Kaserne, sondern Einkaufszo-
ne. Nicht mehr Befehlston, sondern Lounge-Atmosphäre.
Militär als Event
In Braunschweig wurde dieses Konzept im März 2026
praktisch umgesetzt. Über mehr als zwei Wochen hinweg
präsentierte sich die Bundeswehr mitten in der Stadt mit
großem Kriegsgerät, Containern, Beratungsgesprächen
und sportlichen Challenges.
Panzer, Patriot-Systeme und Einsatzfahrzeuge wurden aus-
gestellt. Gleichzeitig gab es Fitnessangebote, Snacks und
Gespräche über Karriereoptionen. Das Ziel: eine niedrig-
schwellige, scheinbar harmlose Ansprache.
Doch genau darin liegt das Problem. Krieg wird nicht als
Gewaltverhältnis sichtbar gemacht, sondern als Erlebnis.
Töten und Sterben verschwinden hinter Eventcharakter,
Technikfaszination und Karriereversprechen.
Gezielte Ansprache junger Menschen
Die Bundeswehr spricht mit KA.R.L. gezielt junge Men-
schen an, auch über Kooperationen mit Schulen, Jobcen-
tern und sogar Fitnessstudios.
Diese Strategie ist kein Zufall. Angesichts wachsender Re-
krutierungsprobleme sucht die Bundeswehr neue Wege,
um Nachwuchs zu gewinnen. Dabei werden bewusst Räu-
me genutzt, in denen junge Menschen sich ohnehin auf-
halten.
Die Grenze zwischen Information und Werbung wird da-
bei zunehmend unscharf. Besonders kritisch ist, dass auch
Minderjährige angesprochen werden, oft ohne ausrei-
chende Einordnung oder kritische Gegenperspektiven.
Widerstand vor Ort: Braunschweig
In Braunschweig blieb das nicht unwidersprochen.

Über den gesamten Zeitraum hinweg organisierten AktivistInnen Mahnwachen,

Aktionen und eine Demonstration. Ihr Ziel war es, ein Gegengewicht zur

Bundeswehr-Inszenierung zu schaffen und über Kriegsdienstverweigerung aufzuklären.

Die Aktionen zeigten Wirkung. Viele Passantinnen such-
ten das Gespräch, äußerten Zweifel oder nahmen Infor-
mationsmaterial mit. Besonders deutlich wurde: Die Bun-
deswehr-Show löst Emotionen aus, von Angst über Wut bis
hin zu technischer Begeisterung.
Gerade diese Emotionalisierung ist Teil des Problems. Mi-
litärische Präsenz im öffentlichen Raum normalisiert Krieg
und verschiebt gesellschaftliche Wahrnehmungen.
Eventisierung des Tötens
K.A.R.L. steht exemplarisch für eine Entwicklung, die wir
als „Eventisierung des Tötens“ bezeichnen.
Krieg wird entpolitisiert und ästhetisiert. Militärische Ge-
walt erscheint als normaler Beruf unter vielen. Doch Soldat
sein bedeutet nicht einfach „ein Job wie jeder andere“. Es
bedeutet, Teil eines Systems zu sein, das im Ernstfall Ge-
walt ausübt und Leben zerstört.
Wenn diese Realität hinter Werbekampagnen verschwin-
det, wird eine kritische gesellschaftliche Debatte er-
schwert.
Warum wir widersprechen müssen
Die Erfahrungen aus Braunschweig zeigen: Protest wirkt.
Sichtbarkeit schafft Räume für Diskussion. Und es gibt ein
großes Bedürfnis nach Gegenpositionen.
Gleichzeitig wird deutlich, dass solche Aktionen gut vorbe-
reitet sein müssen. Die kurzfristige Planung der Bundes-
wehr erschwert Widerstand, dennoch gelang es vor Ort,
ein breites Bündnis aufzubauen und generationenüber-
greifend zusammenzuarbeiten.
Für die Zukunft heißt das: frühzeitig informieren, lokale
Netzwerke stärken und gezielt Gegenöffentlichkeit schaf-
fen.
Fazit
KA.R.L. ist mehr als eine Roadshow. Es ist ein Baustein ei-
ner umfassenden Militarisierung des Alltags.
Wenn Militärpräsenz zur Normalität wird, verschiebt sich
auch unser Verständnis von Sicherheit. Statt auf Diploma-
tie, soziale Gerechtigkeit und zivile Konfliktlösungen zu
setzen, rückt militärische Logik in den Mittelpunkt.
Deshalb gilt: Vorsicht vor KA.R.L.
Und vor allem: Widerspruch ist notwendig – auf der Stra-
ße, in Schulen und in der Öffentlichkeit.
Die kommenden „Tourtermine“ von KA.R.L.:
Leer: 09.06. – 20.06.
Flensburg: 23.06. – 10.07.
Kiel: 25.08. – 12.09.
Lübeck: 15.09. – 02.10. Die Lübecker Gruppe der DFG-VK plant Aktionen- bittet meldet euch für Unterstützung !
Wolfenbüttel: 06.10. – 10.10.
Yannick Kiesel

26. Mai 2026

David gegen Goliath

Ein Clown zeigt den Soldaten bei ihrem martialischen Aufmarsch in Büsum anlässlich einer Vereidigung: Es gibt keinen gerechten Krieg, ihr seid auf dem falschen Weg ! Nur einer wagt einen Blick zur Seite, vielleicht taucht er irgendwann bei unserer KDV-Beratung auf. Der nächste Termin in Lübeck ist am 10.06.26 ab 16:30. Bitte schreibe uns, wer dabei sein möchte: kdv-luebeck@dfg-vk.de

12. Mai 2026

Kriegsgewinnler !

PRESSEMITTEILUNG

Protest vor Rheinmetall-Zentrale in Düsseldorf: „Profite stoppen. Zukunft umbauen.“
 

Düsseldorf, 12. Mai 2026 – Am heutigen Dienstag, dem 12. Mai 2026, protestierten Aktivistinnen und Aktivisten vor der Zentrale von Rheinmetall in Düsseldorf gegen die Hauptversammlung des Rüstungskonzerns und gegen Profite durch Krieg und Aufrüstung. Unter dem Motto „Rheinmetall entrüsten. Profite stoppen. Zukunft umbauen.“ versammelten sich die Teilnehmenden um 11:55 Uhr am Rheinmetall-Platz, um ein deutliches Zeichen gegen die Militarisierung der Gesellschaft und die Ausweitung der Rüstungsproduktion zu setzen.

Die Protestierenden kritisierten insbesondere die massiven Gewinne, die Rheinmetall infolge der weltweiten Aufrüstung und des sogenannten Sondervermögens der Bundesregierung erzielt. Seit Beginn der großflächigen russischen Invasion der Ukraine ist der Aktienkurs des Unternehmens um mehr als 1.500 Prozent gestiegen. Für die Demonstrierenden zeigt diese Entwicklung, wie eng wirtschaftliche Interessen und militärische Eskalation miteinander verknüpft sind.

Kritisiert wurde außerdem die strategische Ausrichtung des Konzerns: Während die zivile Sparte verkauft werden soll, wird die militärische Produktion weiter ausgebaut. Die Protestierenden sehen darin eine bewusste Entscheidung gegen eine sozial und ökologisch notwendige Konversion hin zu ziviler Produktion.

Die Demonstrierenden forderten:

  • den Stopp aller Rüstungsexporte von Rheinmetall,
  • ein Ende der Profite mit Krieg und Aufrüstung,
  • den Erhalt und Umbau der Produktionsstandorte hin zu einer rein zivilen Produktion.

„Eine friedliche und nachhaltige Zukunft braucht Investitionen in soziale Sicherheit, Klimaschutz und zivile Industrie – nicht in Waffenproduktion und militärische Expansion“, erklär Kristian Golla vom Netzwerk Friedenskooperative.

Die Protestaktion verlief laut Angaben der Beteiligten entschlossen und lautstark. Mit Transparenten, Redebeiträgen und kreativen Aktionen machten die Teilnehmenden auf die Verantwortung von Rheinmetall für globale Konflikte aufmerksam und warben für eine gesellschaftliche Debatte über Konversion und Abrüstung.

Die Aktion wurde organisiert und durchgeführt vom Bundesverband und Landesverband Nordrhein-Westfalen der Deutschen Friedensgesellschaft – Vereinigte KriegsdienstgegnerInnen, vom Netzwerk Friedenskooperative, von Aktion Aufschrei – Stoppt den Waffenhandel und lokalen Gliederungen von Pax Christi.

15. April 2026

Kriegsvorbereitungen laufen- ohne uns !

8. April 2026

KDV in Russland & der Ukraine

Bericht 9.04.26, 18 Uhr, Diele Mengstraße 41, Lübeck

Bei der Veranstaltung berichteten Artem Klyga (Russland) und Andrii Konovalov (Ukraine) über Wehrpflicht, Kriegsdienstverweigerung und Desertion in ihren Heimatländern; rund 25 Gäste sowie ein Filmteam für eine Doku von 3SAT waren anwesend.

  • Russland (Angaben von Artem Klyga): Seit 2022 werden Wehrpflichtige elektronisch erfasst; zuvor waren Gesundheit, Verweigerung (18–30 Jahre) und Auswanderung gängige Auswege, jährlich traf Art. 328 etwa 1.000 Männer mit Geldstrafen von 400–800 Euro und sozialen Nachteilen. Klyga nannte für Juni 2025 bereits 20.000 Strafverfahren wegen Desertion und berichtete von Einheiten mit Desertionsraten zwischen 10 und bis zu 85 Prozent, wobei sich viele Deserteure innerhalb Russlands verstecken und teils in anderen Städten anerkannt werden wollen. Der Rekrutierungsdruck steige über Lockangebote und Täuschungen: 2023 mit Prämien, 2024 mit vermeintlich ungefährlichen Aufgaben (Kraftwerkschutz, Drohneneinheiten hinter der Front), 2025 mit „Werbung“ ehemaliger Soldaten für angebliche Einjahresverträge – jeweils mit späteren Wortbrüchen. Aus Russland seien viele Wehrfähige nach Deutschland ausgewandert; 353 von 6.747 erhielten Schutzstatus. Im Januar 2025 wurde erstmals ein Kriegsdienstverweigerer (nicht nur Deserteure) subsidiär geschützt; Gerichte greifen dabei auch auf von Klyga mitverfasste Connection‑e.V.-Unterlagen zurück. Kirchenasyl wird seltener durchsetzbar, und in den USA wird ein Präzedenzfall für russische Geflüchtete angestrebt.
  • Ukraine (Angaben von Andrii Konovalov): Formal orientiert sich die Verfassung an der UN, anerkannt werden aber nur religiöse Verweigerungsgründe; seit 2025 werden selbst religiöse Verweigerer eingezogen. Ein OHCHR‑Bericht erwähnt fünf Folterfälle. Die als „Busifikation“ bezeichnete Zwangsrekrutierung greift um sich; laut Konovalov besteht die Armee nur noch zu etwa 25 Prozent aus Freiwilligen. Für 2024 wurden 90.000 Straftaten wegen Desertion genannt, bis Juni 2025 bereits 125.000; seither sind die Zahlen als „geheim“ eingestuft. Aus „öffentlichen Quellen“ zitiert er ein Verhältnis von monatlich 30.000 Mobilisierten zu 22.000 Deserteuren. Zudem stünden mehr als zwei Millionen Menschen wegen Kriegsdienstverweigerung vor Gericht – mehr als an der Front eingesetzt seien; die Motivation zwangsrekrutierter Männer sei entsprechend niedrig. Politisch sind linke, kommunistische und als prorussisch eingestufte Organisationen verboten; zugleich suchte etwa das Asow‑Regiment 2024 öffentliche Auftritte im Ausland. Ukrainische Kriegsdienstverweigerer erhalten in Deutschland ohne Dublin‑Problematik schnell Anerkennung; Befreiungen vom Dienst sind möglich für Beschäftigte in Rüstungsbetrieben oder westlichen NGOs, während rund sechs Millionen Ukrainer nicht befreit sind.

Beide Berichte heben die außergewöhnlich hohen Zahlen an Deserteuren und Verweigerern hervor: In der Ukraine mit konkret benannten, stark gestiegenen Verfahren und monatlich zehntausenden Abgängen; in Russland mit hohen Desertionsraten in einzelnen Einheiten, wachsendem Rekrutierungsdruck und begrenzter Schutzgewährung für Geflüchtete.

25 Menschen und ein Filmteam von 3SAT haben am 9.04.26 unser Angebot angenommen, sich aus erster Hand über die Menschenrechtslage in Russland und der Ukraine zu informieren. Entgegen dem Bild in deutschen Medien hält sich die Kriegsbegeisterung sehr in Grenzen und die Zahlen der Deserteure und Kriegs-Verweigerer sind sehr hoch, gehen in die Hunderttausende. I

5. April 2026

Mehr Menschen beim Ostermarsch 2026 !

Bis zu 300 Menschen marschierten am 4.04.26 in Lübeck für Frieden & Abrüstung. Das sind etwa 50 mehr als im vergangenen Jahr. Wir freuen uns über jeden Menschen der dazu kommt und hilft, deutlich zu machen, dass die Aufrüstung eine Sackgasse ist. Insbesondere die Rede des Arztes Ralph Urban macht deutlich, dass jeder Krieg aus medizinischer Sicht unbedingt verhindert werden muss. Hier ist seine Rede nachzulesen: https://www.friedenskooperative.de/ostermarsch-2026/reden/ralph-urban-l%C3%BCbeck

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